1. Tag: Big Session Festival oder “Haste mal ´n Boot?”
Nun ist sie wieder vorbei, meine Tour nach England. So war ich mit meiner Schwester Diana und meinem besten Freund Marcus Unterwegs zu dem besten Folkfestival, organisiert von der Oysterband. Der zweitbeste Act war “The Man They Couldn´t Hang”…und so ging es Schlag auf Schlag mit den Bands.
Unser Ziel war Leicester (gesprochen: Läster) De Monfort Hall (von mir gesprochen: Die Manfredhalle).
Halb verschlafen ging die Fahrt dann Freitag um 4 Uhr morgens los. Das Gepäck passte und war für mich auf der Rückbank schlafkompatibel. Daher kann ich zur Fahrt bis zur Fähre in Calais nicht viel sagen. Unterwegs mampften wir schon mal unsere Mettwürstchen…naja Diana nur ein Halbes, dessen andere Hälfte ich dann noch einen weiteren Tag in meinem Rucksack spazieren schleppen durfte.
Eine Umleitung und einen Stau in Kauf nehmend, schafften wir es noch ganz knapp bis zu unserer Fähre. Erleichtert, es doch noch geschafft zu haben, hielten wir beim Einchecken neben einem Auto voll mit holländischen Mädels, was Marcus sehr erfreute. Vor lauter Vorfreude auf England legte er eine Madness-Version von “Good save the Queen” mit einer kuriosen Soundmischung ein. Natürlich bekam ich einen derartigen Lachkrampf, der mir die Tränen in die Augen schießen ließ. Das Schlimme: Ich konnte nicht mehr aufhören und die holländischen Mädels guckten ganz verblüfft. Dachten sie, ich lache über sie?
Nachdem ich mich endlich beruhigt hatte, ließ man uns dann auch auf´s Boot. Eine Horde Kinder machte und ganz strubbelig und versperrte uns ständig den Weg. Treppe rauf, Treppe runter….sie waren überall und konnten sich nicht entscheiden, wo es hin gehen sollte. Ein Haufen Hummeln wäre angenehmer gewesen.
Nun gut, so nahmen wir an Deck ein wenig frische Luft in Form einer Zigarette und begaben und in die Foodbar, um einen überteuerten Kaffee bzw. Tee zu trinken.
Also eins muss gesagt sein: Es ist immer wieder ein Erlebnis, den Kreidefelsen von Dover vom Meer aus entgegen zu fahren. Dann weiß ich: Ich bin in England!
Ich gebe zu, Marcus hat sich sofort super auf den Linksverkehr eingestellt. Aber das englische Verkehrsleitsystem ist auch wirklich gut. Und die Roundabouts (Kreisverkehre) helfen einem immer weiter, wenn man die mal verfahren hat. Innerhalb von 4 Stunden waren wir dann auch in Le´ster. Schnell fanden wir die “Manfredhalle” und fanden uns auch mit der Organisation vor Ort schnell zurecht. So wurde ein Dropdown-Point ausgeschrieben, an dem wir unser Gepäck abgeben konnten, damit wir in aller Ruhe einen Parkplatz finden konnten.
Den Parkplatz hatten wir schnell direkt vor der Halle gefunden, nur mussten wir uns etwa 20 Minuten im Wagen aufhalten, da ein enormer Gewitterregen auf uns niederprasselte. Gut, dass unser Gepäck in Gewahrsam genommen wurde, da kann ja nichts mehr passieren….dachten wir. So saßen wir also geduldig das Gewitter ab.
Als wir dann zum Campingplatz kamen, wurden wir vom Service total lieb begrüßt. Uns wurden Dinge erzählt, die wir nicht wirklich wissen wollten aber die Briten sind halt sehr mitteilungsfreudig und herzlich. Ich habe auch nicht wirklich was verstanden aber unser Fremdsprachengenie Diana klärte uns auch schnell über den Inhalt auf. Wir bekamen unsere Hundeleine…bzw. Armband, welches uns die ganze Zeit über freien Zugang gewährleistet. Beim Befestigen des Bandes meinte ich nur: “I´m married!”
Uns wurde mitgeteilt, wo wir unser Gepäck erhalten und da kam der große Schreck! Der Service war sehr bemüht, die Gepäckstücke ins Trockene zu bringen aber leider war das Schicksal nicht allen Teilen hold. Insbesondere unseren. Ok, hatten wir halt nasse Anziehsachen für die nächsten Tage. Bei der Gepäckausgabe wurden die Nummern der Gepäckstücke genannt und bei unseren sagte ich nach einer Zeit nach Mr. Bean-Art:”Bingo!”. Ja, die Deutschen waren da und haben Humor!
Was machte das Zelt? Hm, es musste was aushalten, die Luftmatratze…naja, lässt sich was machen. Die Schlafsäcke….müssen noch trocknen. Da haben wir das Abenteuer, was wir gesucht haben! Alles nass!
Zunächst hieß es: Ruhe bewahren und erst mal das Zelt aufbauen. Dann sehen wir weiter. Da Niemand von uns das noch neue Zelt aufgebaut hatte, guckten wir erst mal ganz blöd drein. Und die Engländer um uns herum amüsierten sich prächtig über die ahnungslosen Deutschen…Jaja, wer den Schaden hat…Als wir dann prompt das Zelt falsch aufbauen wollten, schritt beherzt eine Engländerin ein und half uns. Na gut, dann durften sie auch weiter lachen und wir lachten mit. Jetzt klappte auch alles Weitere. Es stellte sich schnell heraus, dass das deklarierte 4-Mann-Zelt eher ein 3-Mann-Zelt war und es äußerst eng wurde. So, nun noch die Luftmatratze aufpumpen, nasse Klamotten zum Trocknen ausbreiten und dann die Gegend erkunden.
Dixi-Klos und Duschwagen waren unsere Zukunft. Alles ohne Strom. Also konnte ich meinen Fön auch gleich zu Hause lassen. Auf dem Festivalgelände gab es drei Bühnen, die immer gut besetzt wurden. So haben wir mit MEKONS angefangen, die uns eine Performance aus einem Mix von Punk und Rock ´n´Roll darboten. Dann wurde es aber auch Zeit für ein anständiges Bierchen. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir die Reichhaltigkeit der Anzahl von Bierfässern sahen. Ales in allen Geschmacksrichtungen zwinkerten uns zu. Ebenso durfte das Chicken Curry nicht fehlen. So, nun waren wir gestärkt für den nächsten Gig.
Das war ein Genuss erster Güte. Es waren Waterson:Carthy , die uns total begeisterten. Eine recht kräftige Fiddlerin (Eliza Carthy) mit einer herzerweichenden warmen, weichen Stimme tanzte behende über die Bühne und riss das ganze Publikum mit. In der Folkszene sind Norma Waterson und Martin Carthy keine nonames. Bereits seit 30 Jahren musizieren sie erfolgreich und wurden schon mit mehreren Awards ausgezeichnet. Zu Recht, wie ich finde!
Man mag es kaum glauben, aber wir waren soooo müde nach der ganzen Strapaze der Reise, dass wir doch tatsächlich um 22:30 Uhr den Matratzenhorchdienst aufnahmen.
Meiner Wenigkeit war darin, dank meiner Ohropax, sehr erfolgreich und ich schlief 9(!) Std. durch. Im Gegensatz zu meinen Mitreisenden…..Aber sie wollten auch keine Ohropax. Selbst Schuld!
Der Bericht über den 2. Tag folgt in Kürze.
