2. Tag Big Session Festival oder „Tanzen bis zum Umfallen“
Die erste Nacht haben wir also überlebt, wir sind nicht abgesoffen. Also wurde frohlockend die Dusche aufgesucht, damit man sich wieder halbwegs wie ein Mensch fühlt. Zur Feier des Tages, da die Linke ihren Fusionsparteitag hatte, zog ich mein schwarzes „Socialist“-T-Shirt an und fühlte mich priiiiima damit.
Auf dem Campinggelände stand auch ein kleiner Verkaufswagen, der (Instant-)Kaffee und Frühstück anbot. Nachdem Robert stundenlang vom Verkäufer gerufen wurde, weil sein Burger fertig war, lernte ich diesen Robert dann auch kennen und meinte nur: „Good morning, Robert!“.
So sah also jemand aus, der morgens um 8:30 Uhr einen Burger verspeist.
Wir schnappten uns ein Stück von Marcus´ Salami und ein Heißgetränk und setzten uns auf die Treppe des Unigebäudes. Wir ließen es uns richtig gut gehen und genossen, dass es gerade mal nicht regnete. Der Service begrüßte uns ganz lieb und fragte, ob alles „all right“ sei. Daumen hoch und weiter frühstücken.
Wir hatten uns vorgenommen, an diesem Samstag die Stadt Le´ster zu erkunden und shoppen zu gehen. So waren wir nur etwa 15 Minuten Fußweg von der Shoppingmall entfernt. Unser Ziel waren Doc-Martins und CDs. Aber leider hatten wir keine vernünftigen Docs gefunden und auch nicht die Zeit gehabt, alles abzuklappern. In der Innenstadt war ein Stand von “World Development Movement” aufgebaut, die Informationsmaterial zum Thema „Cimate change“ verteilten. Ich bin natürlich sofort hin, so wollte ich ja ein wenig in England politisches benchmarking betreiben. Was auf dem Flyer stand war schon mal vielversprechend. Die Internetseite habe ich mir aber noch nicht genau angesehen.
So, jetzt hatten wir aber Kohldampf und ließen uns in einem Pub nieder. Um alle Vorurteile zu entkräften: In den englischen Pubs gibt es vorzügliches Essen!!! Dazu noch ein erfrischendes Caffreys (ein irisches Ale) und Sandra ist glücklich!!! Als dann noch die schottische Nationalhymne gespielt wurde, sang ich natürlich frohlockend mit. Was nicht alle Engländer im Pub erfreute. Lag es jetzt an meinem Gesang oder an der schottischen Hymne? Ich weiß es nicht.
Auf dem Rückweg zum Camp schauten wir uns noch die Kathedrale von Le´ster an und schlenderten allmählich wieder zurück. Was mich bis jetzt noch ärgert ist, dass auf der Einkaufstraße Leute Unterschriften gesammelt haben, um die Soldaten aus dem Irakkrieg zurückzuholen. Und ich, mit meinem „socialist“-T-Shirt, ging einfach vorbei. Ich wurde auch etwas komisch angeschaut. Zu Recht wie ich finde. Nur habe ich Vorbehalte bei Unterschriftenaktionen, deren Organisation ich nicht genau kenne. Das wäre so, als würde ich der MLPD meine Unterschrift geben. Sie scheinen immer für eine gute Sache einzustehen aber die Hintergründe sind nicht konform mit meinen politischen Absichten. Alleine dieser Vorbehalt hielt mich davon ab, zu unterschreiben. Dennoch tut es mir leid!
Eigentlich wollten wir ja zum Camp, habe ich ja geschrieben…..aber es fing wieder zu regnen an. Da nun die Pubdichte in England einfach ziemlich hoch ist, haben wir uns doch für ein trockenes Plätzchen dort entschieden. Das Guinness ist einfach zu verlockend. So, daraus wurden dann noch ein paar mehr und wir überstanden somit noch den einen oder anderen Schauer. Nur einen Schauer nicht, und zwar den, dass ich mal wieder alles verschüttete. Das gute Guinness!!!!! Na gut, bin ich halt wieder im Pub aufgefallen, dafür haben mir die Leute auch wieder geholfen. Man braucht nur suchend gucken und irgendwo zeigt Dir einer die Lösung. Klasse Leute, echt!
Schade ist nur, dass wir beim Festival eine Session mit dem Sänger von „The Men They Couldn´t Hang (TMTCH) verpasst haben. Eigentlich haben wir uns sehr darauf gefreut. Aber das Guinness…….(hm, lecker!)
Endlich auf dem Festivalgelände angekommen, kamen wir wieder in den Genuss, hervorragende Musik von Show of Hands zu hören. Die „Manfredhalle“ war nun noch mehr gefüllt und die Stimmung ausgesprochen gut! Das Gelände selber verwandelte sich in eine Matschgrube, so dass man aufpassen musste, dass einem der Schocken nicht im Matsch stecken blieb. Bloß nicht zu lange stehen beleiben, sonst versinkt man noch…..!
Wir klapperten den Merchandising-Stand ab und ich ersteigerte noch zwei Oysterband-Taschen, die sich als sehr praktisch erwiesen. Mein Schwester bereicherte sich mit einem tollen neuen Oysterband-T-Shirt und wir waren beide happy!
Marcus und Diana waren total aufgeregt, weil doch gleich TMTCH auftreten sollten. Ich kannte bisher nur die Musik aber nicht die Gesichter. Daher hätten mich die Jungs über den Haufen rennen können, ich hätte nicht gewusst, dass sie es sind. So quatschte mich ein Typ mit etwas voll, das wohl englisch sein sollte. Aber ich verstand kein Wort. Ich dachte nur: „Quatsch mich nicht voll!“ und meinte „Sorry, I´m German, I don´t understand“. Ja wie blöde war das denn?!?! Das war so frei nach dem Motto. „Ich habe eine Wassermelone getragen“ aus dem Film „Dirty Dancing“. Blöder hätte ich nun wirklich nicht reagieren können. So habe ich das Klischee des Deutschen wieder richtig bedient! Wie sich später herausstellte, war dies einer der Sänger von TMTCH. Na toll, Sandra, Chance vertan!
Nichts desto trotz haben die Jungs ein Konzert hingelegt, dass kaum noch zu toppen war. Einfach herrlich abgerockt haben sie und ich fleißig mitgetanzt. Ich dachte nur: „Oh je, ob ich noch die Kondition habe um bei MEINER Lieblingsband, der Oysterband, mitzurocken?“
Ich hatte sie! Meine Güte, war das klasse. Die Leute um uns herum (bis auf einen Stinkstiefel) waren super drauf. Man blödelte rum, gab sich Sprüche und tanzte, hüpfte und war ausgelassen. Eine Party, die ihresgleichen suchte. Hinter mir hörte ich nur wie jemand sagte: “Die Deutschen da drüben sind aber auch ziemlich verrückt!“ Wenn das schon Engländer sagen…..
Ein Highlight war, dass Alan Scott, der Produzent der Oysters, mit auf der Bühne war. So kenne ich ihn nur als Namen auf den CDs, jetzt bekam er ein Gesicht. Ferner erschien kurz der Drummer von Chambawamba und zu guter Letzt sang noch der …..Chor “Hullabaloo Quire“, dessen Leistung ich aber auch sehr schwach fand. Besonders die Chorleiterin hatte bei einem Stück einen Duo-Part mit John Jones übernommen. Ne, das ging wirklich gar nicht. Aber egal, es ist der Spaß der zählt und den hatten wir alle!
Alle, genau, das waren wir drei nach dem Konzert. Immerhin habe ich bestimmt 3,5 Std. durchgejumpt und das mit über 30 ohne Training!
Also, wieder Matratzenhorchdienst um 00:30 Uhr. Leider musste ich nachts mal wohin. Mir fiel natürlich nix besseres ein, als mit Badelatschen durch den Schlamm zu gehen, in diesem ich dann auch prompt versank…morgens um 2:30 Uhr! Mit verschlammten Socken bin ich dann wieder ins Zelt. Natürlich habe ich mit meinem Geschimpfe „so´n Scheiß, ich will nach Hause, scheiß Zelten…*gmblpmf*“ meine zwei Mitstreiter völlig geweckt. Ich legte mich wieder hin, schlief und die beiden waren natürlich für den Rest der Nacht wach.
Der 3. und letzte Teil folgt in Kürze.
