3. Tag Big Session Festival oder „Wie eng Spaß und Traurigkeit zusammenhängen“
Das Zelt wirkte so hell. Und furchtbar stickig war es. Hoppla, die Sonne schien auf das mit Kondenswasser durchsetze Zelt. Puh, jetzt aber schnell raus hier. Ist ja furchtbar! Aha, so sieht der Campingplatz also bei Licht aus. Das Procedere mit den Duschen, etc. kannte ich ja schon. Heute war mein megagrünes neues T-Shirt „Rock gegen Rassismus“ aus dem Initiative-Links-Shop dran, welches ich mit ebenso großem Stolz trug, wie das vom Vortag.
Diszipliniert, wie „wir“ Engländer halt so sind, wird sich brav und geduldig zum Duschen angestellt. Das gab mir genug Zeit zuzusehen, wie sich unsere Campingfreunde mit merkwürdigen Bewegungen durch den Schlamm schleppten.
Endlich an der Reihe, musste ich erst mal koordinieren…..wohin mit der Seife und dem Shampoo? Ist ja so eng hier….gestern kam mir die Dusche größer vor. Meine „Vorduscherin“ meinte nur: „It´s freezing“. Nun gut, dachte ich, dann biste halt wach. Aber kaum dass ich die Dusche anstellte entrinn mir ein gurgelndes „huuaaaaah“ aus der Kehle. So erinnerte ich mich plötzlich, dass die Dame nicht „cold“ sondern „freezing“ meinte. Irgendwie überstand ich das dann doch und kam lebendig aber mindestens eine halbe Std. später aus der Kabine. Immerhin musste ich meine Gelenke erst mal wieder auftauen. Marcus und Diana wollten schon eine Vermisstenanzeige aufgeben und jubelten mir zu, als ich dann doch endlich zu ihnen auf dem Weg war.
Was ist am hilfreichsten bei einer Gefrierattacke? Ein heißer Kaffee. Also wieder so wie am Vortag zu dem kleinen Bus, der erneut sein Frühstück feil bot. Wir hielten wieder ein wenig smalltalk mit den Leuten vom Service und machte Witze über Dies und das.
Wir fanden sogar eine Sitzbank in der Sonne und ließen uns mit Kaffee, Tee und ein paar Muffins dort nieder und schauten den Campern beim Abbauen der Zelte zu.
Nachdem wir von der Sonne schon rote Nasen bekamen, machten wir uns auch so langsam auf, um das Campinggezeugs ins Auto zu packen. Als wir alles verstaut hatten, gingen wir wieder zum Schlammplatz, der mittlerweile mit Stroh ausgelegt wurde. Das sorgte eher für eine noch größere Sauerei, zumal man ein Büschel Stroh ständig unter seinen Schuhen mit sich trug.
Irgendwie konnten wir mit uns an diesem Tag nicht wirklich was anfangen. Wir lungerten so rum, horchten auf die Musik, die aus den Zelten kam und aßen dann gegen 12 Uhr noch was Leckeres. Wir schauten den Kindern zu, wie sie sich längst in den Schlamm warfen. Sie stampften fröhlich darin rum und ein Kleener meinte nur: „Mama, ich habe jetzt noch mehr Schlamm gemacht.“ Na prima, als hätten wir nicht schon genug davon.
Nach dem Essen machten wir noch mal eine Runde. Allmählich wurden wir wacher und blödelten wieder rum. Die herumstehenden Menschen amüsierten sich über unseren Spaß, den wir hatten und stiegen teilweise mit ein. Unser Ziel an diesem Tag war noch das Ceilidh. Gerne wollten wir uns ansehen, wie so was von statten geht. Wobei Diana durch ihren Irish-Stepdance durchaus Erfahrung damit hat.
Die Aktion lief folgendermaßen ab: Auf der Bühne stand eine Band mit einem Ansagertyp. Der hat auch bestimmt eine Bezeichnung. Diana wird sie kennen, ich jetzt nicht.Dieser Ansagertyp erklärt vor einem Tanz, welche Figuren getanzt werden sollen und wie viele Paare eine Formation bilden.
Als er das Startzeichen gab, war ich mehr als überrascht, dass auf ein mal fast alle Anwesenden auf der Tanzfläche waren. So was kann man sich in Deutschland kaum vorstellen. Hier ziert man sich viel zu sehr. Jung und alt, dick und dünn, klein und groß, alles war vertreten. Und dann ging es los. Meine Güte hatten die Leute einen Spaß! Ach ich hätte so gerne mitgemacht aber ich habe den Ansagertypen nicht verstanden. Und als ich so allmählich verstand, wie die Tänze so funktionierten, mussten wir auch leider schon das Big Session Festival verlassen.
Als wir gingen, bedankte ich mich noch bei einem der Service-Leute und lobte sie für ihre gute Arbeit. Ich meinte nur: „See ya next year.“ Er erwiderte: “Im August sei noch ein Festival in der Manfredhalle“ und deutete auf den entsprechenden Flyer. Ich sagte, dass wir aus Deutschland kämen und das organisatorisch schwer möglich wäre. Er deutete energischer auf den Flyer und duldete keinen Widerspruch. Ich meinte nur: “Ok, see ya in August“ und nahm einen Flyer. Er weiß ja nicht, dass ich es nicht so meinte……
Diana und ich tanzten auf dem Weg zum Auto noch mal den Dreck unter unseren Schuhen ab, was das Umfeld natürlich wieder vergnügte. Zwei bekloppte Mädels, die dumm herum sprangen.
Alles in allem war dies ein herrliches Wochenende. Wir haben viel gelacht, ich habe meine Oysterband wiedergesehen und es wurde überhaupt nicht langweilig. Die offene und herzliche Art der Engländer tat mal wieder richtig gut. Und ich hoffe, dass wir im nächsten Jahr wieder dort sein werden. Am Ende war ich einfach nur traurig, wieder fahren zu müssen.
Der Rückweg erwies sich jedoch auch noch mal als ein i-Tüpfelchen unseres Abenteuers. Irgendetwas erschien mir so wichtig, dass ich intensiv darüber philosophieren musste, und somit Marcus und Diana mit meiner Quasselei ablenkte. Da verpasste Marcus auch gleich unsere Ausfahrt. Zunächst merkten wir es gar nicht aber irgendwann bekamen wir keinen Hinweis mehr, wo Dover denn überhaupt liegt. So führen wir einen Umweg von etwa einer Stunde. Jetzt wurde es doch noch langsam knapp, wenn wir unsere Fähre noch erreichen wollten.
So hatten wir noch 62 Meilen (ca. 105 km) zu fahren und noch 40 min. Zeit. Aber Marcus machte in Kombination mit seinem nigelnagelneuem Fiat Stilo alles möglich. Um 20:50 Uhr legte unsere Fähre ab und um 20:30 Uhr waren wir da! Man, war das ein Glück! Alle Achtung Marcus!
Zum krönenden Abschluss brachte ich meinem Liebsten zu Hause und auch mir noch ein leckeres Tröpfchen Talisker (Single Malt Scotch Whisky) mit.
-Ende-
