Der Hauptmarkt in Gelsenkirchen…

9. Juni 2007 um 18:01 Uhr

…ist mittlerweile für mich immer einen Samstagsausflug wert. Ich weiß nicht mehr genau, welchem Impuls ich gefolgt bin aber es ist wesentlich entspannter dort zu schlendern, als sich in den großen Discountern die Einkaufswagen in die Hacken fahren zu lassen.

Wenn ich meine allwochenendliche Runde drehe, sauge ich einfach nur die Ruhrpottmentalität mit beiden Lungenflügeln ein. “Der iss seit demm Schalke valohren hat, nur noch traurich” oder “Hömma, die Elli hat sich de Krampfadern ziehn lassen” sind die Dialoge, die man so mitbekommt.

Alleine das bring mich schon zum Schmunzeln und die gute Laune ist da. Verbunden mit einem Smalltalk an den Marktbuden macht das Einkaufen einfach mehr Spaß. Was mir mittlerweile aber besonders wichtig ist, ist die Unterstützung der Einzelhändler, die keiner Kette angehören.

Endlich hatten wir mal wieder Brötchen auf dem Tisch von einem richtigen Bäcker und die Erdbeeren im Kühlschrank wurden frisch von einem Bauern abgekauft. Da weiß man noch, wo die Wahre herkommt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich viele in Gelsenkirchen, und auch darüber hinaus, besinnen, dass es einen Bäcker um die Ecke gibt und dass der Metzger einen Familienbetrieb unterhalten muss. Meine Erfahrung sagt mir, dass die Produkte zwar ein wenig teurer aber von der Qualität viel besser sind.

Nun ist mir bewusst, dass in Gelsenkirchen die Kaufkraft nicht sehr stark ist. Aber wenn wenigstens die Menschen, die es sich leisten können, mal auf ein sympathisches Gespräch mit dem Bauern, Metzger, Bäcker, ihre Ware kaufen, würde die Infrastruktur schon ein wenig gefestigter sein.

Bei meinem heutigen Marktausflug habe ich einen Flyer entdeckt, der mit mitteilte, dass dieser ab dem 14. Juni 2007 jeden Donnerstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet hat. Das erlaubt mir als Berufstätige, die nicht in Gelsenkirchen arbeitet, auch mal in der Woche frische Produkte zu kaufen.

Ein besonderes I-Tüpfelchen war, dass ich heute nach mindestens 10 Jahren eine Familie getroffen habe, die ich aus meiner Kindheit noch kenne. Man, hab ich mich gefreut!

Welche Konsequenz hat die Aktion “Agent Provokateur”?

um 17:05 Uhr

Nun scheint es erwiesen zu sein, dass sich ein Bremer Polizist als ein Agent Provocateur verhalten hat. Natürlich will die Polizei nichts davon wissen, dass er im Auftrag gehandelt haben soll. Dass er aber vor Ort bei den G8-Demonstrationen war, kann nicht mehr bestritten werden.

Mittlerweile werden immer mehr Augenzeugenberichte veröffentlicht. In der Jungewelt wird erwähnt, dass bereits von der Staatsanwaltschaft ein Strafantrag gegen diesen Polizisten und seine vier Mitstreiter angestrebt wird.

Nur kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Provocateure selbständig und ohne Befehl agiert haben. Dieser Sache muss dringend auf den Grund gegangen werden.

Heute wird im Spiegel-Online berichtet, dass die Überwachung Autonomer noch konsequenter fortgesetzt werden soll. Es kann und darf nicht sein, dass Sanktionen folgen, obwohl die Ursachen noch nicht genau geklärt sind!

In dem von mir sehr geschätzten Blog Spiegelfechter könnt ihr eine umfangreiche Zusammenfassung in dieser Angelegenheit querlesen.

Natürlich ist mir klar, dass auch Autonome an den Krawallen beteiligt waren. Aber dennoch muss die Sache aufgeklärt werden. Ich erwarte eine Analyse der Entwicklung, wie die Krawalle am 2. Juni in Rostock so haben eskalieren können.

Meine Hoffnung ist sehr schwach im Hinblick des Aufklärungswillens Seitens des Staates und der Polizei.

Der Heinrich-König-Platz

8. Juni 2007 um 22:44 Uhr

Mir ist aufgefallen, dass seit einiger Zeit in den Pavillons am Heinrich-König-Platz Aushänge in den Schaufenstern sind. Dort wird beschrieben, dass der Platz vor der U-Bahn-Station eingestampft werden und die Pavillons somit auch verschwinden sollen.

In den entsprechenden Läden bittet man um Unterschriften. Nun gut, dachte ich, dann informiere Dich doch mal, was an der Sache dran ist. Ich gebe zu, dass ich nicht wirklich über den aktuellen Stand in dieser Angelegenheit informiert bin. Aber mein Leitspruch ist:”Sprechenden Menschen kann geholfen werden”.

Also ging ich ein Juweliergeschäft, welches in den Pavillons zu finden ist. Eigentlich hätte mich der Name, der an einen unseriösen Konzern erinnert,  schon warnen sollen. Freundlich stellte ich mich vor und erklärte, dass ich von der Initiative-Links sei. Meine Einstellung ist, dass mein Gegenüber schon darüber informiert sein soll, mit welchen Interessen und Hintergründen ich auf die Menschen zugehe.

Ich begann das Gespräch damit, dass ich zwar gehört hätte, der Heinrich-König-Platz soll umgebaut werden aber das Thema würde ja schon einige Zeit existieren. Meine Frage war, wie denn der aktuelle Stand sei. Die Dame erwiderte äußerst unfreundlich , ich solle mich an die Stadt Gelsenkirchen wenden. Ihre Reaktion irritierte mich, das gebe ich zu. So bin ich davon ausgegangen, dass sie um Unterstützung baten, da immerhin die Aushänge darauf hinwiesen. Unterstützen kann ich aber nur, wenn ich über entsprechende Inhalte verfüge.

Ähnliches versuchte ich ihr zu erklären. Aber besagte Dame machte völlig dicht und meine nur:”Ich will nicht, dass in meinem Laden Politik gemacht wird”. Ui, dachte ich, da ist aber einer auf Krawall gebürstet. Ich versuchte ihr nochmals klar zu machen, dass wir mit der Initiative-Links das Thema unterstützend öffentlich behandeln können. Aber davon wollte sie nichts wissen. Nun gut, wir wollen uns ja nicht aufdrängen.

Mit den Worten, dass sie nur bedingt freundlich wäre, verabschiedete ich mich.

Was aber nicht aus meinem Schädel weichen wollte war der Satz, dass sie keine Politik in ihrem Laden wünsche. Wenn Unterschriftenlisten ausgelegt werden, bedient man sich dann nicht politischen Instrumenten? Ferner fragte ich mich, wie seriös diese Unterschriftenaktion dann sei, wenn sie nicht politisch ist.

Ich schlussfolgerte, dass es möglich sein könnte, dass die Daten evtl. anderen Zwecken zugeordnet werden. Wenn die Unterschriften nicht politisch behandelt werden, dann vielleicht kommerziell? Wie habe ich die Aussage, der Ladeninhaberin zu bewerten?

Fakt ist, dass mir eine so unseriöse und informationslose Aktion nicht meine Unterschrift und Unterstützung wert ist.

Eine aufregende Woche rund um den G8-Gipfel

um 22:01 Uhr

Bereits vor etwa 8 Monaten haben wir von der Initiative-Links überlegt, wie wir mit dem Thema G8 umgehen sollen. Fahren wir nach Heiligendamm oder machen wir was vor Ort? Wie wollen wir die Menschen erreichen?

Im Vorfeld besuchte ich eine Veranstaltung von Solid und bekam dort schon mal eine Menge Informationen. Diese als Anleitung nehmend recherchierte ich weiter und schrieb einen Text für unsere Homepage.

So, die erste Aktion in dieser Angelegenheit wurde schon mal vollzogen. Dann begannen wir, unseren Aktionsstand in Gelsenkirchen vorzubereiten. Wir stellten Flyer her und diskutierten mit den Menschen. Die Reaktionen auf unsere Aktion war sehr positiv und unsere Gesprächspartner sehr interessiert.

Einer von uns hat es geschafft, zu den Veranstaltungen nach Heiligendamm zu kommen. Leider war es mir nicht vergönnt, da ich eine Urlaubsvertretung übernehmen musste. Es war schon echt bitter, die Bilder auf Phoenix zu sehen und selber nicht dabei sein zu können.

Also nutzte ich die mir gegebenen Möglichkeiten und führte einen Ticker in unserem Forum. Bei dieser Gelegenheit war es mir auch möglich die Presse kritisch und querlesend zu verfolgen. Überrascht stellte ich fest, dass auch Medien, die für ihre einseitige Mainstream-Berichterstattung bekannt sind, kritisch und nicht unbedingt einseitig über die Vorkommnisse in Rostock und Umgebung berichtet haben (außer die Bild-Zeitung).

Zwar überschlugen sich die Meldungen, als es am ersten Tag (2.6.) zu den ersten Ausschreitungen kam. Ich gebe zu, dass ich nicht überrascht war, solche Bilder zu sehen. Nicht, dass ich die Krawalle gut heiße, nein, sie waren zu erwarten. Um so mehr war ich erstaunt zu lesen, dass die Polizei schnell am Ende ihrer Kräfte war. So wurde ein Public-Viewing zur Übertragung des Grönemeyer-Festivals abgesagt, weil die Polizei nicht mehr in der Lage war, im Notfall einschreiten zu können.

Aber da kommen wir zum nächsten Punkt. War die Polizei am Ende, so hielt doch die Bundeswehr Einkehr. Wurde der Bundeswehreinsatz im Inneren in den vergangenen Monaten zum Kampf gegen den Terrorismus in den Gremien diskutiert, so fand sie einfach so, ohne Beschlüsse statt. Hier geht es zum entsprechenden Doku-Film.

Ebenso schockiert mich die Nachricht, dass ein Provokateur als Polizist geoutet wurde. Die Polizei gerät in Erklärungsnot und die weitere Aufklärung in dieser Angelegenheit läuft noch.

Da frage ich mich, wie weit es mit unserer Demokratie gekommen ist? Im Vorfeld finden Schnüffelaktionen auf unseren Rechnern statt, Wohnungen werden durchsucht, die Unschuldsvermutung wird außer Kraft gesetzt und wer war Betroffen? Die G8-Kritiker!

Nur wer hat die Verfassung missachtet? Diejenigen, die zu verantworten haben, dass die Bundeswehr aufgefahren ist und Polizisten als Krawalljäger in den Block geschickt haben. Der Name des Polizeieinsatzes sollte vielleicht von Kavala in Krawalla umbenannt werden.

Abschließen kann ich nur sagen, dass der G8-Gipfel uns inhaltlich nicht weitergebracht hat. Tendenzen wurden im Klimaschutz und bei der finanziellen Unterstützung der Dritt-Welt-Länder erarbeitet. Aber wie zu erwarten, hielten die Vertreter der sieben Industriestaaten und Russland ihre Ergebnisse sehr unverbindlich. So wurden bisher nicht mal die Ausarbeitungen von Glen Eagels eingehalten.

Und was unsere Demokratie anbelangt, so müssen wir sehr auf der Hut sein. Hier herrscht enormer Aufklärungsbedarf, wie es so weit kommen konnte.

Auch wenn ich nicht vor Ort war, war es eine anstrengende Woche.