Sind die Streiks bei der Bahn gerechtfertigt?
Ich sage ja! Zwar bin ich selbst betroffen, fahre jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit und wieder zurück aber dennoch kann ich den Streik der Bahnmitarbeiter verstehen.
Wenn die Gewerkschaften Transnet/GDBA und GDL mit den Arbeitgebern langfristig keine Einigung erzielen, werden die Pendler enorme Probleme bekommen. So bin ich auf den Zug angewiesen und kann nicht auf ein Auto zurückgreifen. Ferner wohnt kein Kollege in meiner Nähe, der mich mit zur Arbeit mitnehmen könnte. Die Situation ist für mich schon sehr angespannt.
Dennoch halte ich den Streik für richtig. Ich denke, Sie können das nachvollziehen, wenn Sie folgende Informationen verinnerlichen.
Die Forderungen der GDL liegt für ein Anfangsgehalt bei 2.500 EURO für Lokführer, 2.180 EURO für Zugbegleiter und 1.820 EURO für Gastromitarbeiter. Ferner erheben sie einen Anspruch auf die stufenweise Erhöhung des Entgeltes je nach Konzernzugehörigkeit und Berufserfahrung. Nach den jetzigen Bedingungen hätte ein Lokführer mit 27 Jahren die Obergrenze seiner Einkünfte erreicht. Diese liegt bei 2.140 EURO.
Bisher erhält ein Lokführer etwa 1.500 EURO netto im Monat.
Dem gegenüber steht der enorme Anstieg der Bahnvorstandsbezüge, welche in 2006 allein schon um 62 Prozent gestiegen sind. Seit der Privatisierung der Bahn hat das Fahrpersonal einen Reallohnverlust von 9,5 Prozent in Kauf nehmen müssen.
Von Januar bis Mai 2007 hat die Deutsche Bahn ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt. In dieser Zeit wurde ein Gewinn von 668 Mio. EUR nach Zinsen und Steuern erzielt.
Der Focus schrieb im Oktober 2006 , dass sich die Bezüge der acht Vorstandsmitglieder von 1999 bis 2005 von 3,68 Mio. EURO auf 14,69 Mio. EURO erhöht haben.
Nicht nur, dass die Löhne und Gehälter der Bahnmitarbeiter dringend angepasst werden müssen, sondern auch der Gedanke an die Privatisierung der Bahn sollte uns noch eindringlicher beschäftigen.
So heißt es, dass die Bahn über keine finanziellen Mittel verfügt, um das Schienennetz und die Wagen zu reparieren. Es wäre kein Geld für Personal da. Die Fahrpreise steigen in immer geringeren Abständen. Im Gegenzug werden hohe Gewinne erzielt, welche dann nicht reinvestiert, sondern an Vorstände und Anteilseignern ausbezahlt werden.
Dies ist doch ein eindeutiger Hinweis, dass die Bahn nicht das Ziel verfolgt, eine kundenorientierte Transportalternative zu sein. Stattdessen werden Mitarbeiter unterbezahlt und die Kunden müssen für immer schlechtere Leistung tiefer in die Tasche greifen.
Die Bahn gehört wieder komplett in die öffentliche Hand, damit sich niemand mehr an der öffentlichen Verkehrsversorgung bereichern kann!
Aus diesem Grund ist es wichtig nicht nur den Streik der Bahnmitarbeiter zu verstehen und zu unterstützen. Es ist auch wichtig, dass wir BürgerInnen uns für den Erhalt der Bahn stark machen.
Patje hat in seinem Blog zu diesem Thema kritisch Stellung zu der Gewerkschaft GDL genommen. Hier wird wieder quergelesen.
