Shell und die DVD EUREKA
Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber jetzt weiß ich, dass es zu viel war.
In einer der letzten Spiegelausgaben fand ich eine DVD Namens EUREKA, eine Shellproduktion. Meine Mindesterwartung belief sich darauf, dass auf eine Verbesserung der Umwelt und Lebensbedingungen bei der Ölgewinnung eingegangen wird.
Dann las ich mir das Cover der DVD durch und fand Folgendes:
“Sämtliche Rechte (z.B. Copyright, Patente, Urheber- und Markenrechte) in Bezug auf die auf dieser DVD angebotenen Informationen verbleiben bei Shell und ihren Lizenzgebern. Es ist untersagt, Informationen oder Marken von der DVD zu benutzen, zu vervielfältigen, zu verarbeiten, zu verändern, weiterzuverbreiten, zu veröffentlichen oder herunterzuladen, es sei denn, es gehört zum gewöhnlichen Gebrauch der DVD oder es ist ausdrücklich gestattet.[…]”
Na dann hoffe ich mal, dass ich wenigstens den Namen dieser DVD hier erwähnen darf! Ist es mir erlaubt, darüber zu diskutieren? Ich bin jetzt einfach mal ungehorsam und erzähle, dass diese DVD nicht meinen Erwartungen entsprochen hat. Hierbei handelt es sich lediglich hauptsächlich um eine Vater-Sohn-Beziehung, bei dessen Problembehandlung eine Geschäftsidee entstand. Für Shell versteht sich.
Eine ziemlich langweilige Geschichte ohne Input. Da konnte selbst das interaktive Menü nicht weiterhelfen. Ups, war das jetzt auch eine Information, die nicht weitergegeben werden durfte? Dass es ein interaktives Menü gibt. Na isset denn…!
Shell legt sehr viel Bedeutung in das Lizenz-, Patent- und Urheberrecht. Aber wie sieht es mit den Menschenrechten aus?
Hier ein kleiner Auszug aus dem Buch “Das neue Schwarzbuch der Markenfirmen” von Klaus Werner und Hans Weiss (Ullsteinverlag, ISBN: 978-3-548-36847-4):
[…] Mittlerweile gibt sich der Ölkonzern in millionenteuren Anzeigen als Vorreiter in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte. Doch in Nigeria hat sich wenig geändert: Ölaustritte aus veralteten Shell-Pipelines und die technologisch überholte Verbrennung von Erdgas machen große Mengen Ackerland auf Jahrzehnte unfruchtbar, verschmutzen Luft und ehemals fischreiche Gewässer und stehlen den Bewohnern Lebensgrundlagen und Gesundheit. […]
Ebenso wird erwähnt, dass gemäß Transparency International Nigeria das zweitkorrupteste Land der Welt ist. Damit ist auch zu erklären wie der Zusammenhang zwischen dem nigerianischen Militärregime und Shell hergestellt wird. Im Jahr 2001 gestand Shell, Waffen für den Schutz seiner Anlagen an die lokale Polizei weitergegeben zu haben. Dieses Militärregime hat auch den Menschenrechtler Ken Saro Wiwa exekutiert, der sich jahrelang gegen die von den Ölkonzernen verursachten Umwelt und Gesundheitsschäden eingesetzt hat.
Die Macht der Ölkonzerne in den Drittweltländern ist so enorm und furchtbar und im Gegenzug sieht man oben beschriebene DVD mit dem Hinweis, dass einem beinahe nach dem Leben getrachtet wird, wenn Inhalte veröffentlicht werden.
Ich werde mich hüten, irgendwelche Werbung von Shell weiterzugeben. Das könnt Ihr mir glauben!
