Vorstandsgehälter und wo das Geld her kommt
Vor wenigen Tagen sind im Pressedienst der Hans Böckler Stiftung die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden der 30 größten, im DAX notierten, Aktiengesellschaften für das Jahr 2006 ausgewertet worden. Dort wird erwähnt, dass die durchschnittliche Vergütung im Vergleich zum Jahr 2005 von 3,9 Mio. Euro auf 5,1 Mio. Euro gestiegen ist.
Zum Teil hängt diese Erhöhung mit den erstmalig ausgewiesenen Pensionslasten der Spitzenmanager zusammen. Daher sind die Zahlen von 2005 und 2006 nicht uneingeschränkt vergleichbar. Dennoch halte ich es für interessant, die ersten 15 höchsten Vorstandsbezüge hier darzustellen. Im Zuge dessen liste ich im Folgenden auf, wie einige Firmen mit unseriösen Mitteln ihre Gewinne maximieren, so dass diese Gehälter auch bedient werden können.
Einige der hier aufgelisteten Konzerne finden wir auch in den Büchern “Das neue Schwarzbuch der Markenfirmen” oder”Asoziale Marktwirtschaft” wieder. Diese Bücher sind die Quellen für die folgende Argumentation.
RWE:
RWE erhält durch den Staat eine hohe Förderung. Dabei ist es egal, ob es sich um kohlebetriebene Anlagen, Atomenergie oder Windkraft handelt. Durch seine 30,2-Prozent-Beteiligung an der Firma RAG erhält RWE eine beträchtliche Staatsunterstützung für den Kohlebergbau.
Wenn man sich folgende Entwicklung anschaut wird man sehen, dass in den Jahren 2002 bis 2006 der Umsatz bei RWE relativ stabil geblieben ist. Im Gegenzug dazu wurde die Belegschaft nahezu halbiert. (Quelle: jeweiliger Geschäftsbericht)
Bei meinen Recherchen ist mir jedoch aufgefallen, dass der Umsatz von 2005 im Geschäftsbericht von 2005 noch bei 41.819 Mio. Euro lag und im Übertrag in den Geschäftsbericht von 2006 um über 2 Mio. Euro weniger bei 39.487 Mio. Euro liegt. Das darf eigentlich nicht sein. Der Übertrag müsste identisch sein.
In Anbetracht dessen, dass die Personalkosten sehr stark gesenkt wurden, ist eine höhere Bezahlung des Vorstandsgehaltes (16,6 Mio. Euro) natürlich möglich.
Deutsche Bank:
Im neuen Schwarzbuch der Markenfirmen ist nachzulesen:
[Abgesichert durch die Hermes-Kreditversicherung des Bundes, hat die Deutsche Bank zahlreiche Kredite an riskante oder ethisch fragwürdige Projekte in Entwicklungsländern vergeben, die letztendlich den Schuldenberg dieser Länder erhöht haben. Während deutsche Steuerzahler damit für Ausfälle und Risiken haften, profitiert die Bank weiterhin von der hohen Verschuldung vieler Länder, in denen aufgrund dieser Verschuldung Sozial- und Bildungsausgaben radikal gekürzt werden.]
Darüber hinaus ist die Deutsche Bank auch mit ihren Tochterfirmen in fast sämtlichen Steueroasen der Welt vertreten. In Deutschland ist diese Bank in den Gewerbesteueroasen wie Norderfriedrichskoog oder Sössen vertreten. In Norderfriedrichskoog wurde bis 2004 keine Gewerbesteuer erhoben. Mittlerweile liegt der Hebesatz sowohl in Sössen als auch dort bei der Mindestangabe von 200. Zum Vergleich: München hat einen Hebesatz von 490 und der Schnitt liegt bei 317.
Durch die Nutzung der Steueroasen konnte die die Deutsche Bank im Jahr 2000 trotz satter Gewinne eine Steuerrückzahlung von 6,6 Mrd. Euro verbuchen.
E.ON:
Auch E.On ist kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht, Anteilseigner zu beglücken und im Gegenzug Mitarbeiter zu entlassen. Im folgenden Schaubild habe ich die Entwicklung der Dividendenausschüttung von 2001 bis 2003 ins Verhältnis mit der Mitarbeiterentwicklung gesetzt. Die Schere ist eindeutig. Bei E.ON können wir vermuten, dass die Vorstandsgehälter durch die Einsparung der Personalkosten bedient werden könnten.
Trotz hoher Dividendenausschüttung hat E.ON im Jahr 2001 in Deutschland keine Gewinnsteuern gezahlt, sondern noch 78 Mio. Euro erhalten. Auch 2002 wurde eine Steuereinnahme von 953 Mio. Euro verbucht.
DaimlerChrysler:
Der Konzern DaimlerChrysler ist mit über 30 Prozent Hauptaktionär der EADS. Dieses Unternehmen ist nicht nur bekannt für den Bau des Airbusses, sondern auch für Rüstung. Im Programm der EADS ist auch die Entwicklung der M51, eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden kann.
Darüber hinaus sind die Geschäftspraktiken der Ausländischen Niederlassungen mit großer Skepsis zu sehen. So verschwanden während der argentinischen Militärdiktatur (1976 - 1983) in der Niederlassung 14 unbequeme Betriebsräte für immer. Der damalige Produktionschef soll Namen und Adressen an die Militärs weitergegeben haben.
Im Jahre 2005 kritisierten die “Kritischen Aktionäre” das unverminderte Engagement des Konzerns ins Rüstungsgeschäft.
Wie auch bei anderen Konzernen, ging die Schere der Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung in den letzten Jahren auseinander.
Ich habe mir nun ein paar Konzerne herausgesucht und ein wenig kritisch durchleuchtet. Ist es moralisch und ethisch vertretbar als Konzernchef immer höhere Vorstandsgehälter zu erhalten, während die Belegschaft reduziert wird? Ich gebe zu, die Erkenntnisse sind nicht neu aber mir ist es schon wichtig, die direkten Vergleiche immer wieder aufzuzeigen.
