Private Internetnutzung am Arbeitsplatz

Wenn man dem Buch “Das Ende Der Arbeit” von Jeremy Rifkin glauben schenken mag, und seine Argumentation klingt plausibel, befinden wir uns in der dritten industriellen Revolution. Die Revolution des IT-Zeitalters. Immer mehr wird das Medium E-Mail und Internet genutzt.

Daher finde ich es oftmals sehr erschreckend, wie Vorgesetzte und Unternehmer Mitarbeiter maßregeln und sanktionieren, wenn sie diese Medien am Arbeitsplatz privat nutzen.

Schauen wir uns die konventionellen Kommunikationsmittel an. Es ist kein Problem, einen Mitarbeiter morgens um 9 Uhr zeitungslesend am Schreibtisch sitzen zu sehen. Im Hintergrund läuft leise das Radio. Im Arbeitsvertrag wurde nicht festgehalten, dass zeitunglesen und radiohören am Arbeitsplatz verboten seien und mit arbeitspolitischen Konsequenzengeahndet werden. Diese Bild ist “normal”.

Der Kollege im Nachbarbüro schaut sich dagegen um 9 Uhr die Seiten www.spiegel.de oder www.nachdenkseiten.de an und er beginnt einen Vertragsbruch. So mussten doch alle Mitarbeiter im Arbeitsvertrag den Passus unterschreiben, das Internet nicht privat zu nutzen. Vor einiger Zeit las ich, dass Internetnutzer einen höheren Bildungsstandard haben als diejenigen, die der Technologie nicht so zugetan sind. Leider fand ich diese Studie vor meiner Blog-Zeit und habe die Quelle nicht gesichert.

Im Internet (wo sonst?) habe ich folgendes Dokument von Herrn Rechtsanwalt Thomas Feil gefunden. Hier zeigt er Irrtümer über die private Internetnutzung am Arbeitsplatz auf. Darunter findet man den den Absatz:

“Hinzu kommt, dass man während der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft grundsätzlich uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen hat, was einer privaten Internetnutzung in dieser Zeit widerspricht. Die Kompensation dieser “versäumten” Arbeitszeit durch qualitative und quantitative Mehrarbeit ist nur in sehr engen Grenzen möglich.”

(Wir dürfen also nicht mehr zur Toilette, rauchen, mit dem Kollegen reden oder in der Nase bohren.)

Bei derartigen Diskussionen wird aber außer Acht gelassen, dass viele Mitarbeiter innerhalb der Arbeitszeit auch der herkömmlichen Kommunikation frönen. Kurz gesagt: Quatschende Mitarbeiter werden nicht sanktioniert. Mir ist es persönlich egal, ob meine Kollegen die Hälfte des Arbeitstages im Nachbarbüro ihren Lästereien nachgeben oder Kochrezepte austauschen. Das geht mich nichts an. Vielleicht hebt das auch die Motivation und sie arbeiten die andere Hälfte der Arbeitszeit um so produktiver. Aber die Internetnutzer werden wieder hervorgehoben und mit Kündigungen oder Abmahnungen bedroht.

Die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder haben bei einer entsprechenden Konferenz dieses Papier erarbeitet. Aber so richtig ist das Thema noch nicht diskutiert eher nur bestimmt worden.

Die wenigsten Firmen kennen sich mit Kommunikationsstrategien und ihren Folgen aus. Nur weil man nicht am Arbeitsplatz sitzt und robottert, ist man nicht unproduktiver, wenn man sich zwischendurch auch mal eine kleine Auszeit gönnt. Ein kurzer Break während zwei Arbeitsabläufen wirkt manchmal Wunder. Die Konzentration ist wieder da und der Fehlerquotient wird herabgesetzt.

Natürlich ist es wichtig, dass Internetseiten bestimmter Inhalte, wie Pornografie u.ä, gesperrt werden.

Ferner stelle ich mir auch immer wieder die Frage, wie die private Internetnutzung am Arbeitsplatz behandelt wird, wenn ich meine Pause, also meine Freizeit, dazu verwende?

Die Kommunikation und der Datentransfer haben sich in den letzten 50 Jahren enorm verändert und wir haben das Ende dieser Entwicklung noch nicht erreicht. Es gibt viele betriebswirtschaftliche Modelle über Mitarbeitermotivation. Bücher sind voll davon. Aber welche Auswirkungen die private Internetnutzung am Arbeitsplatz auch auf die inhaltliche Qualität des Mitarbeiters hat, wird einfach ausgeblendet. Wer kennt es nicht, dass bei einem privaten Gespräch mit dem Kollegen (welches im Arbeitsvertrag nicht sanktioniert wird) eine Frage aufkommt, die beide nicht beantworten können. Man geht ins Internet und findet die Antwort. Dieses Medium macht die Mitarbeiter letztendlich nicht dümmer. Ich bin der Ansicht, der Mitarbeiter hat ein Recht auf Information und darf sie sich auch während der Arbeitszeit holen!

In meiner Prüfung zur Controllerin (IHK) wurde ich genau das gefragt: “Wie würden Sie handeln, wenn Ihre Mitarbeiter das Internet privat nutzen.” Da auch die IHK einen recht verstaubten Beigeschmack vermittelt, hat ihnen meine Antwort vielleicht nicht gefallen. Aber sinngemäß antwortete ich: “Wenn die Mitarbeiter ihren Arbeitsvertrag erfüllen und die Aufgaben vernünftig erledigt werden, steht meiner Ansicht nach einer privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz nichts im Wege.”

Ich habe die Prüfung (dennoch?) bestanden.


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Der Beitrag wurde am 15. September 2007 um 10:32 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Arbeit gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.