Arbeitsk(r)ampf im 21. Jahrhundert
Immer mehr rückt in die Öffentlichkeit, welchem Druck arglose Arbeitnehmer Tag täglich durch den Arbeitgeber ausgesetzt sind.
Wir erfahren über Lidl, dass hier weiterhin Gründungen von Betriebsräten mit lausigen Machenschaften unterbunden werden. Ebenso spionieren Plus, Lidl, Schlecker und viele, viele Unternehmen immer mehr ihre Mitarbeiter per Video aus.
Das Traurige ist, dies ist nicht die Ausnahme sondern bereits die Regel. Wer hat nicht schon mal Erfahrung mit Mobbing oder anderen Druckmitteln gemacht? Das Vertrauen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber marodiert stetig dahin.
Auf der anderen Seite wird uns immer wieder vorgegaukelt, dass die Arbeitslosenstatistik monatlich so hervorragend sinkt und Herr Bundeswirtschaftsminister Glos träumt gar von einer Vollbeschäftigung. Davon darf er auch weiterhin gerne träumen.
Realistischer sieht die weltweite Arbeitsmarktentwicklung Jeremy Rifkin. Er befasst sich mit den Auswirkungen des technischen Fortschritts auf die globale Arbeitswelt. In seinem Buch „Das Ende der Arbeit“ behauptet er:
„Setzt sich der Rückgang (der Arbeitnehmer) im gegenwertigen Tempo fort – wahrscheinlicher ist, dass er sich noch beschleunigt -, wird die Beschäftigung im produzierenden Sektor weltweit von heute 163 Millionen Stellen auf wenige Millionen in Jahr 2040 abstürzen, was in einer globalen industriellen Massenarbeitslosigkeit enden wird.“
Und was global passiert, will her Glos bundesweit aufhalten. Da müssen aber einige Schlaftabletten für seine Träume hergehalten haben.
Welch eine Wirkung hätte eine Vollbeschäftigung auf die Gesellschaft? Träumen wir doch mit Herrn Glos mal ein wenig mit:
- Arbeitgeber hätten kein Druckmittel mehr, denn der Arbeitnehmer kann jederzeit einen anderen Job finden
- Arbeitnehmer werden selbstbewusster und engagieren sich mehr für das Arbeitsrecht
- Arbeitnehmer können mehr Lohn/Gehalt fordern, denn sie sind nun alle in Beschäftigung und damit rar
Welch schöne Aussichten werden uns da vorgehalten. Aber die Realität sieht nun mal anders aus. Gerade nach Einführung des Hartz-II-Gesetzes, welches die Etablierung von Mini- und Midijobs noch mehr vereinfachte, sind Vollzeitarbeitsplätze enorm von eben diesen verdrängt worden.
Darüber hinaus ist es für einen Arbeitnehmer eine durchaus unangenehme Erfahrung, wenn sein Gegenüber im Büro nur die Hälfte verdient, weil er aus einer Zeit- bzw. Leiharbeitsfirma eingesetzt wurde. Schnell wird jedem klar, wie austauschbar ein qualifizierter Mitarbeiter in der heutigen Zeit geworden ist. Sobald ein Mitarbeiter nicht mehr funktioniert, weil er vielleicht krank geworden ist, wird er schnell durch externe Leiharbeiter ersetzt. Krank werden, temporäre menschliche Leistungsdefizite zeigen, mal nicht so funktionieren können wird in der heutigen Wirtschaft nicht mehr toleriert. Zum Glück kann dann rechtzeitig eine Billiglohnkraft aus der Zeitarbeitsfirma eingestellt werden. Ein Schaubild zeigt, wie die Entwicklung der Leiharbeit in den letzten 10 Jahren vorangeschritten ist.
Aber wie wird man den teuren Mitarbeiter los? Eine Antwort auf diese Frage hat Plusminus bei einer der letzten Sendungen erfahren müssen.
Es handelt sich hier um den Entsorgungsbetrieb Fehr Umwelt Ost GmbH. In diesem Unternehmen wird der Betriebsrat seit einigen Monaten mit Abmahnungen und Kündigungen gegängelt. Das scheint die Antwort der Geschäftsleitung auf das Engagement der Betriebsräte zu sein, sich für die Mitarbeiter einzusetzen. Denn die vermutete Intention der Druckmechanismen scheint diese zu sein, tarifbezahlte Arbeitnehmer, welche 12 Euro in der Stunde kosten, zu entlassen und dafür Leiharbeiter einzusetzen, deren Lohnkosten bei 6 Euro pro Stunde liegen. Die Leiharbeiter bekommen nicht nur die Hälfte des Lohnes, sondern auch mehr Arbeit und weniger Urlaub.
Der Betriebsrat wird dahingehend gemobbt, als dass er in einem Umkleideraum seinen Arbeitsplatz wieder findet, niedrige Arbeiten zu verrichten hat (Ballen zählen) oder Lügen verbreitet werden.
Den Bericht von Plusminus könnt Ihr Euch hier ansehen. Er geht etwa 5 Minuten und jede Sekunde ist wirklich effizienter als ein Gruselschocker.
Da bleibt wirklich die Frage: Wohin soll dieser Zustand der Ausbeutung, des Misstrauens und des ständig wachsenden Drucks noch führen?


