Skandal am Flughafen in Istanbul/Türkei

Das wusste ich auch noch nicht:

Pressemitteilung DIE LINKE NRW

Ein Skandal besonderer Art ereignete sich am Flughafen Istanbul in der Türkei. Am 17.6.08 flog Welat Dag mit seinen zwei Geschwistern und Eltern in die Türkei. Der siebenjährige Welat ist am Flughafen in Istanbul von türkischen Beamten festgenommen. Grund: Er hat einen kurdischen Namen, in dem ein verbotener Buchstabe “W” vorkommt. Der Name sei in der Türkei verboten. Daraufhin wurde der Junge alleine wieder ins Flugzeug gesetzt und nach Düsseldorf zurückgeschickt. “Das ist eine Menschenrechtsverletzung schweren Grades und ein Beweis dafür, dass die Türkei noch nicht einmal die kulturellen Rechte der Kurdinnen und Kurden anerkennt.”, so Landesvorstandsmitglied Hamide Akbayir, DIE LINKE. NRW.

Hätte der Junge Walter geheissen, wäre er in der Türkei willkommen.

Die türkische Gesetzgebung verbietet bis heute die kurdische Identität. Immer noch werden jegliche Rechte der Kurdinnen und Kurden nicht anerkannt, dazu gehört die Praxis der Namensgebung in kurdisch. Wie bekannt, sind die Buchstaben W, Q, X, die im kurdischen Alphabet vorkommen, nach wie vor in der Türkei verboten. Es laufen immer noch zahlreiche Prozesse gegen die Eltern, die ihren Kindern kurdische Namen wie Newroz, Xelat,
gegeben haben.


Dabei hat die Türkei die internationale Vereinbarung unterzeichnet, die das Recht auf individuelle, ethnische, religiöse, geschlechtsspezifische und kulturelle Rechte absichert. Sie ist jedoch nicht gewillt, ihre nationale Rechtssprechung an die internationale Rechtsnorm anzupassen. Der Grund hierfür ist die Verleugnung und Ablehnung der kurdischen Identität. Somit verletzt die Türkei das Recht auf Benutzung und offizielle Anerkennung der Namen in ihrer Muttersprache.

Der türkische Ministerpräsident T. Erdogan sprach bei seinem Besuch in Köln- Arena im Februar 2008 von der Bewahrung eigener Kultur und Identität. Er betonte “Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!” Ja, das ist richtig. Ich frage aber gleichzeitig, ob er das auch für die kurdischen Menschen wünscht. Wie glaubwürdig ist seine Forderung, wenn in seinem Land die Existenz der ca. 25. Mio. KurdInnen in der Türkei immer noch geleugnet wird. Die Menschen werden aufgrund ihrer Meinung, Wahrnehmung ihrer Rechte festgenommen, gefoltert oder wie in diesem Fall ausgewiesen, weil Welat in der Türkei nicht willkommen war. In Deutschland wünscht er sich türkische Universitäten; in seinem Land verbietet er die kurdische Sprache. Was sagt Erdogan dazu?

Aber auch in Deutschland, mit NRW an der Spitze haben sich die Standesämter geweigert, kurdische Namen für Kinder mit türkischer Staatsangehörigkeit anzuerkennen. Leider bedienen sie sich immer noch der Namensliste, die ihnen von den Herkunftsländern zu Verfügung gestellt werden. Dabei ist doch die Wahl des Namens für ein Kind eine höchstpersönliche Angelegenheit. Gerade Menschen, die im Exil leben müssen, bevorzugen einen Vornamen, der auf ihre Herkunftsidentität hinweist.

“Die Namensgebung ist kein gleichgültiges Anliegen und sollte nicht vom Zufall abhängen.” (Plato)

“Ich rufe dazu auf, gegen diese Rechtsverletzung zu protestieren, um einen kleinen Beitrag für die kulturellen Rechte der KurdInnen, auch hier in Deutschland zu leisten”, schließt Hamide Akbayir.

Protestbriefe an: Türk. Generalkonsulat – Düsseldorf tgk.dus (at) t-online.de


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Der Beitrag wurde am 21. Juni 2008 um 12:01 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Externe Pressemitteilungen, Leben - Reisen, Politik gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.