London: Eine Stadt voller Überraschungen
Es war mir klar: Das wird ein anstrengendes Wochenende!!! Weil wir Flugverweigerer wegen akuter Angstzustände in unserer fünfer-Gruppe hatten, entschieden wir uns für eine Busreise nach London. In der Nacht von Freitag auf Samstag sollte es um 0:30 Uhr losgehen.
Zuvor musste ich jedoch noch ein Abenteuer bestehen. Denn immer wenn die Zeit knapp ist, man Termine hat oder Verabredungen einhalten muss, gibt es Probleme bei der Bahn. Am Duisburger Hauptbahnhof ist die Oberleitung von einem ICE gekappt worden, was für mich hieß, dass ich kaum eine Möglichkeit hätte von der Arbeit nach Hause zu kommen. Ja nee is klar!
Nachdem ich mehrere Möglichkeiten ausgelotet hatte, irgendwie diese Stadt verlassen zu können, blieb mir nur der Weg über Düsseldorf, dann Hochdahl und dann Gelsenkirchen. Um 20 Uhr war ich dann zu Hause und musste noch meine Tasche packen. War knapp aber ich habe die Widrigkeiten, welche mir die Deutschen Bahn AG bescherte, mal wieder überwunden!
So, vorher noch im Consilium ein Cidre zur Einstimmung eingenommen und dann ab zu Sammelpunkt. Erschöpft von meinem Bahnabenteuer schlief ich auch schon, sobald der Busmotor startete, ein. Es war eine ruhige Fahrt, bis auf 2 Pärchen, die nichts besseres zu tun hatten, als ständig rumzumoppern. Also, wer nach England fährt, sollte seine typisch deutsche Rumnörgelei mal ablegen und ein wenig Humor und Gelassenheit zu Tage bringen.
Kaum dass wir am Shuttle in Calais die britischen Grenzkontrollen passieren wollten, musste ich natürlich wieder eine kleine Schockminute aushalten, weil mein Ausweis vom Scanner nicht gelesen werden konnte. Aber die Beamten waren ziemlich ulkig und machten sich natürlich wieder einen Spaß aus meiner Situation. Nachdem die Sache mit meinem Ausweis dann auch geklärt war, ging es wieder in den Bus und dann zum Shuttle, der unter dem Ärmelkanal herführt. Ich hoffte nur, dass die Hydraulikzylinder, die zu meiner Ausbildungszeit für den Tunnel in meinem Ausbildungsbetrieb gebaut wurden, noch halten und sich nicht gerade jetzt einer Altersschwäche hingaben, wenn wir nun gerade jetzt hindurch fahren.
Das Schild am Grenzübergang verhieß mir nichts Gutes und ich hoffte, dass der Sauf-Service in London doch noch erlaubt war.
Genau jetzt war die Zeit gekommen, meinen neu erworbenen iPod heraus zu kramen und Morrissey zu hören. Gerade als „Irish Blood, English Heart“ gespielt wurde, befuhren wir englischen Boden. Passte ja! Wobei dieser Song nicht ganz unumstritten ist. Gerade wegen dieser Passage:
„ I’ve been dreaming of a time when To be English is not to be baneful . To be standing by the flag not feeling shameful, Racist or partial“
Na ja über das Fahnenthema kann ich mich ja noch mal in einem anderen Bericht auslassen.
Gegen 9 Uhr Ortszeit erreichten wir dann die Londoner Innenstadt. Irgendwie war diese Stadt noch ziemlich verschlafen. Kein Geschäft hatte auf, kaum Touries…….und es regnete!
Noch nicht am linken Straßenverkehr gewöhnt, lief ich wie ein Wackeldackel über die Straße (look left….look right). Politisch korrekt habe ich natürlich nur „Look left“ fotografiert.
Nun gut, wir suchten einen Geldautomaten und bestückten uns mit dem Gut, welches wir an Ort und Stelle auch gleich wieder lassen wollten. So zogen wir zum Charings Cross, um unsere Tagestickets zu besorgen und dann ging es auch gleich ab in die Tube. Meine Schwester, total englanderfahren und der Sprache mächtig wie ein nativespeaker, jagte uns durch die Underground. Ich hetzte immer hinterher, weil ich das System einfach mal wieder verstehen wollte. Alles um mich herum war genervt. Aber was wäre, wenn wir uns verlieren würden…..? Dann stehe ich da und weiß nicht mehr zurück. Aber so schwer ist das System wirklich nicht zu verstehen.
Wir nahmen die braune Linie und stiegen dann in die Rote um und landeten in Notting Hill. Unser Ziel war die Portobello Road. Die Underground ist so genial, wir mussten nie länger als eine Minute warten. Man kommt von a nach b binnen weniger Minuten, herrlich!
Gerade als wir aus der Underground ausstiegen, schien die Sonne. Das Wetter sollte sich so halten, bis dass wir London wieder verließen. Ich gebe zu, dass ich bei meinen England-Schottland-Irlandfahrten nur ganz wenige Momente hatte, in denen das Wetter furchtbar war. So hatten wir es in London total warm und entledigten uns unsere Jacken.
Die Portobello Road ist am Wochenende ein wunderschöner Markt mit allerlei Dingen, die das Herz begehrt oder eben auch nicht. Ein wenig erinnerte es mich auch an die Cranger Kirmes. Bisher habe ich nur den Camden Market besucht. Aber da er im Februar 2008 einem großen Brand zum Opfer fiel, haben wir uns eben mal nach was anderem umgeschaut.
Ich gebe zu, die typischen Besichtigungen, wie der Tower, Madame Tussauds, etc. sind zwar sehr interessant aber für einen Tag lohnt es sich nicht, Stunden für eine Besichtigung anzustehen. Zudem sind die Preise so hoch, dass einem das Interesse auch schon mal entfliehen kann. Ich habe mir diese Sehenswürdigkeiten vor über 20 Jahren mal angesehen und ich glaube, so viel hat sich jetzt nicht verändert.
Mir ist bei Reisen dieser Art immer wichtig, den Flair der Stadt aufzusaugen. Einfach irgendwo hinsetzen, genießen und beobachten. Genau so machten wir es auch auf der Portobello Road. Unsere fünfer-Gruppe teilte sich auf. Drei gingen wieder in die Innenstadt und besuchten den Big Ben, Westminster und vieles mehr. Ich blieb mit meinem besten Freund zurück und wir gönnten uns in einem Straßencafé erst mal was Ordentliches. Ich brauchte erst mal zwei starke Kaffee und Marcus zwei extra-cold-Guinness. Für mich war es dann doch noch zu früh für Alkohol.
So saßen wir unter der Marquise dieses Cafés und lauschten den Jamaikanischen Klängen eines Straßenmusikers. Die Sonne schien und die Leute, einschließlich uns, waren gut drauf. Komisch nur, dass Marcus für das erste „Gedeck“ einen anderen Preis zahlte als ich, obwohl wir zwei mal das Gleiche bestellten. Starke Inflation hier in London. Nun gut, Touristenzentrum halt.
Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht hatten, schlenderten wir über den Markt. Dort sackte ich erst mal creamy-Donuts ein und staunte über das merkwürdige Obst an manchen Ständen. Ich habe zuvor noch nie Pfirsiche gesehen, die platt wie eine Flunder sind.
Auch noch nie gesehen habe ich diese Version der präventiven Fahrraddiebstalsicherung:
Und wenn es mal eng wird mit den Parkplätzen, weiß der Engländer sich auch zu helfen:
Nachdem neue CDs unsere Rucksäcke füllten, begaben wir uns langsam wieder in Richtung Underground. Auf halben Weg lauschten wir noch einer Rockabilly-Band, die noch mal so richtig für Stimmung sorgte.
Um 15 Uhr waren wir wieder mit dem Rest unserer Truppe am Trafalgar Square verabredet. Wir gingen durch den Tunnel, um schnell wieder nach oben zu gelangen, als wir Pfeifkonzerte und Jubel hörten. Ich wusste gar nicht, dass man in London seine deutschen Gäste so willkommen heißt. Als wir wieder wie Maulwürfe an das Tageslicht kamen, war der ganze Trafalgar Square voller Leute. Laute Musik drang in unsere Ohren und die Straßen waren gesperrt. Was war denn hier los?! Nachdem ich mal nachgefragt hatte, wurde mir gesagt, dass heute Pride Day wäre. Das ist so eine Art Christopher-Street-Day in England. Das passte ja, denn in Köln fand er ja auch an diesem Wochenende statt.
Es war ein interessantes und auch lustiges Treiben. Eine Drag Queen sah verrückter aus als die Andere.
Wir schauten uns ein wenig die Parade an und landeten dann am Picadilly-Circus, wo wir uns dann doch in einem Pub niederließen.
Nun hatte ich mir auch das eine oder andere extra-cold-Guinness verdient, welches natürlich sofort einschlug. Kaum geschlafen, kaum gegessen, viel gelaufen und dann das.
Aber ich erholte mich schnell. Wir gingen noch mal zurück zum Trafalgar Square, um in dem Supermarkt an der Ecke noch ein paar kulinarische Genüsse für Daheim mitzunehmen. Dann traf mich der Schlag! Die ganzen Parade-Sympathisanten haben diesen Laden leergekauft! Nix mehr da für so einen armen Touri wie mich. So bin ich eigentlich nach London gefahren, um mich mal wieder mit Crumpets einzudecken. Nix da! Auch meine Lieblings-Chipssorte war weg. Da wir in der Londoner Innenstadt waren und dort kaum jemand wohnt, war auch ein weiterer Lebensmittelmarkt nicht gerade in greifbarer Nähe. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich meinem Schicksal hinzugeben und festzustellen, dass ich kaum Geld in London gelassen habe. Auch nicht schlecht, so bleibt noch ein wenig für mein Toscana-Urlaub übrig.
Wir schauten uns noch ein wenig das Gebäude und Gelände der Horse Guards an und wunderten uns, dass wir durch den runden Torbogen durften.
Und immer wieder sahen wir Stretch-Limousinen, die uns zeigten, dass wir in einer Stadt sind, wo es wichtige, wichtige Leute gibt.
Allmählich neigte sich die Tour dem Ende zu und wir gingen zu unserem verabredeten Treffpunkt nahe der Horse Guards an der Themse. Ich nutzte noch die Gelegenheit für ein paar Schnappschüsse, die ich auch in der Fotogalerie veröffentliche. Zum ersten mal live habe ich das London Eye gesehen, welches zum Millennium errichtet wurde und derzeit das höchste Riesenrad Europas ist. Eine Fahrt dauert eine halbe Stunde und kostet 15 Pfund.
Um 20 Uhr sollten wir dann auch wieder abgeholt werden. Wir waren auch alle da und warteten und warteten. Uns taten die Füße so was von weh und wir waren total komplett und überhaupt fertig mit der Welt. Aber wo war unser Bus? Es wurde 20:15 Uhr: OK, kann sein, dass er nicht durch die gesperrten Straßen der Innenstadt kam…..aber die Parade ist doch schon lange vorbei. Es wurde 20:30 Uhr. Es wird doch wohl nichts passiert sein?! Nun machten wir uns doch Sorgen. Ist was mit dem Fahrer? Hatte er gar einen Herzinfarkt? Wir überlegten uns schon, wie wir mit dem Busunternehmen Kontakt aufnehmen sollten und ob jemand die Telefonnummer hat. Um 20:45 Uhr endlich kam unser Bus und wir stellten schnell fest, dass die Scheibe eingeschlagen war. Tatsächlich ist unser Bus aufgebrochen worden. Gut, dass wir keine Wertgegenstände zurückgelassen haben.
Der Fahrer tat mir schon sehr leid. So hat er 2 Stunden auf die Polizei gewartet aber sie kam nicht. So konnte die ganze Sache nicht mal zur Anzeige gebracht werden. Mit einer ruhigen Gelassenheit führte uns der Fahrer jedoch aus London hinaus, erzählte uns noch ein wenig über diese Stadt und brachte uns alle wohlbehalten nach Hause.
Es lohnt sich immer wieder nach London zu fahren, da es eine so facettenreiche Stadt ist, die immer wieder anders aussieht.














