Die schleichende Privatisierung

bahn.jpg

Pünktlich zum neuen Fahrplan des Verkehrsverbundes Rhein Ruhr (VRR) gab es heute ein böses Erwachen. Urlaubsbedingt hatte ich erst einen Tag später das „Vergnügen“ mit einem mir fremden Unternehmen zu meiner Arbeitsstätte transportiert zu werden.

Eigentlich erwartete ich den Rhein-Emscher-Express in einem Deutsche-Bahn-Outfit. Erhalten habe ich jedoch die Leistung einer Eurobahn, ein privater Anbieter. So dachte ich noch in meiner müden Birne, dass dieser Zug ersatzweise eingesetzt wurde, weil die DB vielleicht ein paar Waggons aus dem Verkehr nahm, Zwecks Überprüfung oder Reparatur.

Nett von den Eurobahnern, so war mein erster Gedanke.

Dann fuhren wir los. Alles lief gut, bis dass die Kontrolleurin kam. Ein Mitfahrer, den ich jeden morgen zur selben Zeit, im selben Zug sehe und der nicht „schwarz“ fährt, wurde darauf hingewiesen, dass sein Ticket in der Eurobahn nicht gültig sei. Er war wach und ich nun auch. Es dämmerte mir langsam. Es ist kein ausgeliehener Zug, nein, die Privatisierung hat den öffentlichen Nahverkehr einfach überrollt! Ist meine Fahrkarte denn noch gültig oder nicht? Tausend Fragen schossen mir in diesem Moment durch den Kopf.Netterweise ließ die Kontrolleurin den jungen Herren ohne Konsequenzen weiterziehen und bat ihn, sich doch zu informieren. Ich hatte mit meinem Ticket dann auch noch Glück.

Apropos Information: In jedem Käseblatt und in jeder Fernsehsendung wird mitgeteilt, wer bei Popstars oder DSDS gewonnen hat. Aber eine Meldung, dass wir Steuerzahler um eine ganze Bahnlinie beraubt werden, interessiert keinen.

So fragte ich zwei Damen, die neben mir saßen, ob ich mit meiner Vermutung, dass wir einfach ein privates Transportunternehmen vorgesetzt bekommen, richtig läge? Sie schwiegen. Schauten ganz starr gerade aus. Bloß nicht reagieren. Bloß nicht denken und herausgefordert werden. Ich blieb stur und blickte die Damen ob der Erwartung einer Antwort weiterhin an. „Tja, da hat man eh keine Wahl,“ reagierte eine Mumie. Ich erwiderte nur mit mein Lieblingsthema:“Wenn keiner wählen geht, haben wir auch keine Wahl!“

Am Rande eines Radioberichtes habe ich von einer Zulassung eines Zuges gehört. Aber leider wurde diese Information nicht regelmäßig im Radio wiederholt, so dass ich dieser auch weiterhin keine Bedeutung beimaß. Auch wenn www.Der Westen.de darüber berichtete, bin ich über diesen Artikel nicht wirklich gestolpert. Obwohl ich mir die Seite mehrmals am Tag ansehe. Anscheinend wurde diese Nachricht von dem Headliner, dass das Halbfinale von Popstars in Oberhausen ausgebuht wurde, übertrumpft. Keine Ahnung, wie eine derartige Nachricht an mir vorüber gehen konnte. Aber nicht nur an mir, sondern einige andere Mitfahrer/innen waren unvorbereitet.

Zwei Bahn-Linien, Eigentum des Steuerzahlers, wurden innerhalb eines Tages von den Privaten occupiert:

Info der Eurobahn:

“Der RE 13 wird auf dem westlichen Abschnitt Mönchengladbach - Venlo mit Zügen der Deutschen Bahn befahren. Hier wird das komplette Fahrplanangebot gefahren.

Der Ersatzplan des RE 3 bleibt mit allen Fahrten des Fahrplans und dem Umstieg in Dortmund Richtung Hamm bleibt unverändert. Der Start der eurobahn auf dieser Linie verlief am Sonntag planmäßig, pünktlich um 0:03 ist der erste RE 3 der eurobahn von Dortmund nach Düsseldorf gefahren. Auch im weiteren Verlauf des Tages sind alle Züge pünktlich gefahren.”

Auf dem Weg nach Hause, es war eine S-Bahn der Deutschen Bahn AG, begegnete ich dem jungen Mitfahrer erneut. Er hatte sich, wie ich, informiert und wir unterhielten uns. Interessanterweise stieg ein weitere Fahrgast ins Gespräch mit ein, der genau erkannte, welch eine Frechheit es ist, dass der öffentliche Dienst von privaten Unternehmen einfach abgelöst wird.

Ich meinte nur, dass es vielen Mitfahrern wahrscheinlich egal ist, wer sie von a nach b bringt. Diese Menschen verstehen jedoch nicht, dass sie einfach mal wieder belogen werden. Hier und da schleicht sich immer mehr Privatisierung in den öffentlichen Dienst und die Menschen interessieren sich nicht für die Konsequenzen?!

Welche Konsequenzen bzw. Fragen folgen?

1. Aushandeln neuer Tarifverträge, wenn es überhaupt welche gibt
2. Einstellung bei schlechterem Lohn
3. Die Frage nach Mitbestimmung darf gestellt werden
4. Gewinnmaximierung zu welchem Preis und zu Lasten des Fahrgastes?
5. Jetzt ist es noch die Bahn, bald die Polizei?

Die Tendenzen erschrecken mich. Schleichend werden wir BürgerInnen entmündigt. Die Infrastruktur wird durch das  Cross Border Leasing (CBL) verscherbelt, die Bahn setzt uns einfach einen privaten Anbieter vor die Nase welcher zwei komplette Linien ersetzt. Was passiert mit den Lokführern, welche diese beiden Linien betreut haben? Dürfen sie jetzt in Frührente gehen? Oder gar bei dem privaten Anbieter für weniger Geld arbeiten, bevor sie arbeitslos werden?

Und die Menschen sagen nur: “Wir haben doch keine Wahl!“

4 Kommentare

  1. Hallo Sandra,

    du hast sicher einen bestimmten Grund, mit mir aus welchen Gründen auch immer nichts zu tun haben zu wollen ??? Hatten wir uns nicht mal gesagt oder geschrieben, wir bleiben in Verbindung ?

    Ich grübel heute noch seit dem Treffen auf Lüttinghof, ob wir dir gegenüber was falsch bzw. Unpassendes gemacht haben ? Und da schreibst du doch so schön “mein Chatfreund trixexpress” …

    Na ja, ein bissel traurig bin ich schon :-(

    Liebe Grüße auch von Monika

    Volker

  2. Hallo Volker,

    ich finde es nicht in Ordnung, dass Du diesen Kommentar hier schreibst. Er gehört nicht zum Thema. Nun lasse ich ihn aber stehen, weil ich kein Freund von löschen freier Meinungen bin.

    Gruß
    Sandra

    P.S.: Ich melde mich immer gerne aber FREIWILLIG

  3. Eine weiterführende Diskussion:

    Gelsenkirchener Geschichten

  4. […] die Übernahme der Eurobahn zweier Deutsche Bahn AG-Linien (RE3 und RE13) sind Diskussionen der Fahrgäste entfacht worden. Ich […]


Kommentar schreiben

Der Beitrag wurde am 15. Dezember 2009 um 21:29 veröffentlicht und wurde in der Kategorie ÖPNV-Die Bahn, Leben - Reisen, Arbeit, Politik gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.