Wie sehen die Bürger/innen der Bahnprivatisierung entgegen?
Durch die Übernahme der Eurobahn zweier Deutsche Bahn AG-Linien (RE3 und RE13) sind Diskussionen der Fahrgäste entfacht worden. Ich begrüße diese Diskussionen außerordentlich, denn so kann machen Mitbürgern veranschaulicht werden, wie wichtig unser Engagement in der Gesellschaft überhaupt ist.
Manche begreifen, andere wiederum nicht. Aber ich werde nicht müde, die Diskussion über Demokratie und Besitzstandswahrung unsrer Gesellschaft zu führen.
Über die Fragen, wie sich die Privatisierung auf dem Arbeitsmarkt, die Löhne, Mitbestimmung und Tarifverträge auswirken könnte, bin ich in meinem o. g. Beitrag schon eingegangen.
Nun möchte ich Argumente aufgreifen wie:
- Wird mal Zeit, dass die DB eins vor den Bug bekommt
- Der DB muss man es mal zeigen, so wie in der Vergangenheit kann es nicht weiter gehen
Recht haben die Menschen, die das behaupten. Aber indem sie der Privatisierung zustimmen, belügen sie sich selbst. Sie geben einem Unternehmen den Freibrief, die Gesellschaft um ihre Eigentümer zu schwächen.
Der Fahrgast hat nichts davon, wenn ein privates Unternehmen, zielgerichtet auf Gewinnmaximierung und Kostenreduzierung, alles unternimmt, Anteilseignern gerecht zu werden. Eben, es ist nicht der Fahrgast, der im Fokus steht, sondern der Anteilseigner.
Nun ist es in der Vergangenheit so gewesen, dass genau die Deutsche Bahn so verfahren konnte. Anteilseigner wurden bedient, das Verkehrsnetz wurde dagegen vernachlässigt.
Aber genau da müssen wir Bürger/innen ansetzen. Wieso haben wir Herrn Mehdorn und seine Freunde diese Macht überlassen, unser Eigentum so vergammeln zu lassen? Diese Menschen waren/sind verantwortlich, diese Infrastruktur, welche von unseren Steuergeldern finanziert wird, gesellschaftlich verantwortlich zu verwalten.
Aber nein, es ist ja einfacher, anderen das Feld zu überlassen, auf die wir als Bürger/innen nun gar keinen Einfluss mehr haben.
Denkt doch mal kurz in eine andere Richtung, in das Gesundheitswesen:
Durch die private Krankenversicherung wurde unser schöner, von Otto von Bismarck entwickelter Generationsvertrag, stark geschwächt.
Allein 2.442 Tsd. sozialversicherte Arbeitnehmer (Stand 2005) tragen das Sozialsystem der Krankenversicherung. Hingegen 8.373 Tsd. Menschen sind im selben Jahr Privatversichert.
Quelle: Sozialpolitik aktuell
Wenn ich die Zahlen sehe, kann ich es selbst kaum glauben. Kein Wunder, dass dieses System nicht funktioniert, wenn nicht jeder Bürger in diesen öffentlichen Topf einzahlt, um allen eine gleiche Leistung zu Teil kommen zu lassen. Bei 82 Mio. Menschen in dieser Gesellschaft ist es nur klar, dass sich dieses Solidaritätsprinzip nicht halten kann.
Aber da bekanntlich die meisten nur an sich und ihre eigenen Vorteile denken, wird mal eben eine private Versicherung abgeschlossen, und die Gesellschaft geschwächt.
Ebenso verhält es sich mit der Bahn. Je mehr privatisiert wird, desto mehr wird das Verkehrssystem geschwächt. Treten Probleme auf, müssen Fahrgäste erst mal schauen, bei welchem Anbieter das war. Dann einen Ansprechpartner finden, dann die Geschäftsbedingungen kennen.
Besser wäre es doch, die DB in die Verantwortung zu nehmen. Wenn Probleme auftreten, dann sich geschlossen mit einem Anbieter auseinandersetzen. Aber es ist ja so schön einfach, der DB eins vor den Bug zu geben, damit sie…..ja was denn…..letztendlich nicht mehr großartig handlungsfähig sind.
Ein Hoch auf die Individualisierung!

